Unverantwortlich!

Ein Aufruf für das Kunstmuseum, die Kultur und eine lebendige Stadt St.Gallen

Der St.Galler Stadtrat will dreissig Millionen Franken einsparen, um möglichen Steuerausfällen wegen der Corona-Pandemie entgegenzuwirken. Der St.Galler Stadtrat ist schweizweit die erste Regierung, die mitten in der Bewältigung des Lockdowns harte Spareinschnitte beschliesst. Auf Kosten der Eltern (Tagesbetreuung), des Personals (Stellenreduktion), der Infrastruktur (Strassenunterhalt) sowie auf Kosten der Kultur: Die Sanierung des Kunstmuseums soll um mehrere Jahre aufgeschoben werden, das aktuelle Kulturschaffen erhält weniger Geld.

Unverantwortlich für das Kunstmuseum

Die Erweiterung des St.Galler Kunstmuseums ist seit bald zwanzig Jahren dringend. Ein erstes Projekt für einen Neubau scheiterte 2003 in einer Volksabstimmung. Darauf wurde die Strategie «3 Museen – 3 Häuser» begründet, mit Erfolg: Das Naturmuseum bekam einen Neubau, das Historische Museum ist renoviert. Für das Kunstmuseum liegt nach einem Architekturwettbewerb 2012 ein Projekt vor. Die Finanzierung ist durch Stadt, Kanton und Private gesichert. Wird das Projekt auf die lange Bank geschoben, ist diese Finanzierung gefährdet. Der Bau muss zudem dringend saniert werden: Das Dach ist leck, die Wände sind feucht, eine Klimaanlage fehlt. Erinnerungen werden wach an die Zeit von 1970 bis 1987, als das Kunstmuseum wegen Baufälligkeit geschlossen war. Das darf sich nicht wiederholen!

Unverantwortlich für die freie Kultur

Der St.Galler Stadtrat hat bereits vor einem Jahr planlos bei Kulturhäusern eingegriffen: Beitragserhöhungen an das Sitterwerk und das Konzertlokal Palace wurden am Parlament vorbei gestrichen. Erst ein breiter Protest aus der Bevölkerung verhinderte das. Das neue Sparpaket trifft neben dem Kunstmuseum auch das aktuelle Kulturschaffen und das Bildungsangebot «Kunst & Handwerk». Zehn Prozent weniger freie Projektförderung bedeutet: Der Spareffekt für die Stadtkasse ist minim, der Schaden für viele Projekte und das Publikum aber fatal. Statt kulturellem Aufbruch droht der Rückbau. Der St.Galler Stadtrat übernimmt die destruktive Politik des Kantons, der seine Kulturausgaben lange plafoniert hatte. Die Stadt als Kulturprovinz: Das darf nicht wahr werden!

Unverantwortlich für die Ostschweiz

Kultur ist systemrelevant, auch in St.Gallen, auch in der Ostschweiz. Kultur prägt ein Klima. In den Museen werden nicht nur Bilder gezeigt, in den Theatern nicht nur Stücke aufgeführt, in den Clubs nicht nur Konzerte gespielt, vielmehr wird überall da die Gegenwart verhandelt. Drum geht es um mehr als das Kunstmuseum oder einzelne Projektbeiträge. Und es geht darum, zu verhindern, dass das fragwürdige «Vorbild» der Stadt in anderen Gemeinden Schule macht. Denn: Die Sparmassnahmen treffen die Kultur nach der Coronapandemie im schlechtesten Moment. Wie kaum eine andere Branche war die Kultur vom Lockdown betroffen. Viele Kulturschaffende standen oder stehen vor dem Ruin. In der Krise braucht es eine antizyklische Wirtschaftspolitik und eine zukunftsgerichtete Kulturpolitik: Jetzt muss investiert werden!

Stoppen wir die Abbau-Politik des St.Galler Stadtrats! Sanieren wir das Kunstmuseum! Sichern wir der Kultur ihre Zukunft!



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Ein Kulturappell der IG Kultur Ost.

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